Aktualisiert: März 2026 · Lesezeit: 8 Minuten
Wer für ein Unternehmen, eine Klinik oder eine öffentliche Einrichtung Schmutzfangmatten beschafft, steht vor einem überraschend komplexen Thema. Ob Sauberlaufmatte, Schmutzfangläufer oder Eingangsmatte – die Begriffe klingen austauschbar, doch hinter den Produkten stecken große Unterschiede. Brandschutzklassen, Gebrauchsklassen, Materialunterschiede, DIN-Normen – die Anforderungen an gewerbliche Eingangsmatten gehen weit über das hinaus, was man aus dem Privatbereich kennt. Dieser Leitfaden fasst zusammen, was Einkäufer, Facility Manager und Gebäudeverantwortliche wirklich wissen müssen – mit konkreten Empfehlungen statt Marketing-Phrasen.
Was unterscheidet eine gewerbliche Schmutzfangmatte von einer Baumarkt-Fußmatte?
Die kurze Antwort: fast alles. Gewerbliche Schmutzfangmatten sind technische Produkte, die nach europäischen Normen geprüft und klassifiziert werden. Eine Fußmatte aus dem Baumarkt für 12,99 € erfüllt keine dieser Anforderungen – und darf in vielen gewerblichen Gebäuden schlicht nicht eingesetzt werden.
Die entscheidenden Unterschiede liegen in drei Bereichen:
Brandschutz nach EN 13501-1: In öffentlichen und gewerblichen Gebäuden schreibt die Landesbauordnung Bodenbeläge mit definierten Brandschutzklassen vor. Eine handelsübliche Fußmatte hat keine Brandschutzklassifizierung – im Brandfall kann sie zur Gefahr werden und im schlimmsten Fall den Versicherungsschutz kosten.
Gebrauchsklasse nach EN ISO 10874: Gebrauchsklassen definieren, für welche Beanspruchung ein Bodenbelag ausgelegt ist. Klasse 21 reicht für private Wohnräume mit mäßiger Beanspruchung. Für gewerbliche Eingangsbereiche mit täglichem Publikumsverkehr ist mindestens Klasse 32 erforderlich – eine völlig andere Liga.
Materialdichte und Flächengewicht: Das Flächengewicht bestimmt, wie viel Schmutz und Feuchtigkeit eine Matte aufnehmen kann, bevor sie gesättigt ist. Privat-Fußmatten wiegen typischerweise 1.500 bis 2.000 g/m². Professionelle Gewerbe-Schmutzfangmatten erreichen 3.400 bis 3.650 g/m² – sie nehmen also fast die doppelte Menge an Schmutz auf und müssen deutlich seltener gereinigt werden.
Brandschutzklassen bei Bodenbelägen: Was bedeuten Bfl-S1 und Cfl-S1?
Kaum ein Thema sorgt bei Einkäufern für mehr Verwirrung als die Brandschutzklassifizierung. Das liegt daran, dass in Deutschland zwei Systeme parallel existieren: die alte deutsche DIN 4102 und die neuere europäische EN 13501-1. Für Neubauten und Renovierungen ist die europäische Norm maßgeblich.
Das Klassifizierungssystem der EN 13501-1 bewertet textile Bodenbeläge auf einer Skala von A1fl (nicht brennbar, z. B. Stein) bis Ffl (leicht entflammbar). Das Kürzel „fl" steht dabei für „flooring" – es handelt sich also um eine spezifische Einstufung für Bodenbeläge, nicht zu verwechseln mit den allgemeinen Baustoffklassen.
Für die Praxis relevant sind zwei Klassen:
Bfl-S1 – die höchste Stufe für textile Bodenbeläge. Das „B" steht für „schwer entflammbar", das „S1" bedeutet, dass im Brandfall nur eine sehr geringe Rauchentwicklung auftritt. Bodenbeläge mit Bfl-S1 dürfen in allen öffentlichen Gebäuden, Krankenhäusern, Schulen und Versammlungsstätten eingesetzt werden – auch in Fluchtwegen. Wer auf der sicheren Seite sein will, wählt Bfl-S1.
Cfl-S1 – zugelassen für gewerbliche und öffentliche Gebäude. Klasse Cfl bedeutet ebenfalls „schwer entflammbar", mit etwas geringerer Anforderung als Bfl. Die Einstufung Cfl-S1 ist für die meisten gewerblichen Eingangsbereiche ausreichend – von Büros über Hotels bis zum Einzelhandel. Nur bei besonders strengen Auflagen (Krankenhäuser, Fluchtwege) wird explizit Bfl-S1 gefordert.
Wichtig zu wissen: Die Brandschutzklasse muss vom Hersteller durch ein akkreditiertes Prüfinstitut nachgewiesen werden. Ein bloßer Hinweis „feuerhemmend" auf der Verpackung ersetzt kein Prüfzertifikat nach EN 13501-1.
Gebrauchsklasse 32: Was steckt dahinter und wann ist sie Pflicht?
Die Gebrauchsklasse nach EN ISO 10874 gibt an, für welche Nutzungsintensität ein Bodenbelag ausgelegt ist. Die erste Ziffer beschreibt den Nutzungsbereich (2 = Wohnen, 3 = Gewerbe, 4 = Industrie), die zweite Ziffer die Beanspruchungsstufe (1 = mäßig, 2 = normal, 3 = stark).
Klasse 32 bedeutet also: „Gewerblicher Bereich, normale Beanspruchung." Das klingt unspektakulär, deckt aber ein breites Einsatzspektrum ab – Büroempfänge, Arztpraxen, Hotellobbys, Schulflure und Eingangsbereiche von Einzelhandelsgeschäften fallen alle in diese Kategorie.
Warum ist das wichtig? Wer in einem gewerblichen Gebäude einen Bodenbelag einsetzt, der nur für Klasse 21 oder 22 (Wohnen) klassifiziert ist, riskiert zum einen vorzeitigen Verschleiß – und zum anderen Probleme mit der Gebäudeversicherung. Denn bei einem Schadensfall kann der Versicherer argumentieren, dass ein ungeeigneter Bodenbelag eingesetzt wurde.
Material-Vergleich: Polyamid, recyceltes Nylon oder Polypropylen?
Die Wahl des Materials entscheidet maßgeblich über Langlebigkeit, Schmutzaufnahme und Nachhaltigkeit einer gewerblichen Schmutzfangmatte. Ein Überblick über die drei häufigsten Materialien:
Polyamid (Nylon) – der Strapazierfähigkeits-Champion
Polyamid (PA 6 oder PA 6.6) ist das am häufigsten verwendete Material für hochwertige Gewerbe-Schmutzfangmatten. Der Grund: Nylonfasern sind extrem abriebfest, nehmen Feuchtigkeit gut auf und behalten auch nach Jahren intensiver Nutzung ihre Form. Die getuftete Verarbeitung – bei der einzelne Fadenschlingen in ein Trägermaterial eingesetzt werden – sorgt für eine dichte, strapazierfähige Oberfläche.
In der Praxis hält eine Polyamid-Schmutzfangmatte mit 3.650 g/m² Flächengewicht bei normaler gewerblicher Nutzung fünf bis acht Jahre, bevor ein Austausch sinnvoll wird. Zum Vergleich: Eine günstige Polypropylen-Matte ist oft nach zwei bis drei Jahren durchgelaufen.
Recyceltes Nylon – Nachhaltigkeit ohne Leistungseinbuße
Recyceltes Nylon wird aus Industrieabfällen und ausgedienten Fischernetzen gewonnen. Der Clou: Die mechanischen Eigenschaften von recyceltem Nylon sind praktisch identisch mit denen von Neu-Polyamid. Es gibt also keinen Kompromiss bei Strapazierfähigkeit oder Schmutzaufnahme – bei deutlich besserem CO₂-Fußabdruck.
Für Unternehmen mit CSR-Verpflichtungen oder Nachhaltigkeitszielen ist recyceltes Nylon daher eine attraktive Option. Ob EMAS-Zertifizierung, ISO 14001 oder eine interne Nachhaltigkeitsstrategie – eine Schmutzfangmatte aus 100 % recyceltem Material ist ein konkreter, messbarer Baustein.
Polypropylen (PP) – der Preiseinstieg mit Einschränkungen
Polypropylen ist das günstigste Material für Schmutzfangmatten und dominiert den Baumarkt-Bereich. Für gewerbliche Eingangsbereiche mit hoher Frequenz ist PP allerdings nur eingeschränkt geeignet: Die Fasern sind weniger abriebfest als Polyamid, nehmen kaum Feuchtigkeit auf und verlieren schneller ihre Struktur. Zudem erreichen PP-Matten selten die Brandschutzklasse Bfl-S1 oder Cfl-S1.
Unser Fazit: Polypropylen eignet sich für untergeordnete Nebeneingänge mit geringer Frequenz. Für repräsentative Haupteingänge, Klinikzugänge oder Hotellobbys empfehlen wir Polyamid oder recyceltes Nylon. Das gilt gleichermaßen für Sauberlaufmatten in Bürogebäuden und Schmutzfangläufer in Einzelhandelspassagen – überall dort, wo täglich Dutzende oder Hunderte Personen über die Eingangsmatte gehen.
Die richtige Größe: Warum zwei bis drei Schritte die Faustregel sind
Eine zu kleine Schmutzfangmatte erfüllt ihren Zweck nicht – unabhängig davon, wie hochwertig das Material ist. Studien zeigen, dass erst nach zwei bis drei Schritten auf der Matte ca. 90–95 % des Schmutzes und der Feuchtigkeit von den Schuhsohlen aufgenommen werden. Ein einziger Schritt reduziert die Verschmutzung lediglich um etwa 40–50 %.
Daraus ergeben sich folgende Empfehlungen:
40×60 cm – Einzelbüros, Nebeneingänge. Ausreichend für einen Schritt, sinnvoll als zusätzliche Matte vor Einzelräumen.
60×80 cm oder 80×120 cm – Standardeingänge, Arztpraxen, kleine Ladengeschäfte. Ermöglicht zwei Schritte und deckt die Mindestanforderung ab.
90×150 cm – Die meistverkaufte Größe im gewerblichen Bereich. Bietet Platz für zwei bis drei vollständige Schritte und passt in die meisten Standard-Eingangsbereiche.
120×180 cm oder 135×200 cm – Hotellobbys, Klinikeingänge, repräsentative Empfangsbereiche. Diese Formate bieten optimale Schmutzaufnahme auch bei hoher Frequenz und setzen optisch ein Statement.
Ein häufiger Fehler in der Praxis: Die Matte wird zwar in der richtigen Größe bestellt, aber dann bündig an die Tür gelegt – sodass die ersten Schritte daneben landen. Idealerweise beginnt die Matte direkt dort, wo der Fuß nach dem Türöffnen aufsetzt.
Rollstuhleignung und Barrierefreiheit: Was die DIN 18040 verlangt
Barrierefreiheit ist kein Nice-to-have, sondern in öffentlichen Gebäuden und vielen gewerblichen Bereichen gesetzlich vorgeschrieben. Die DIN 18040 „Barrierefreies Bauen" definiert klare Anforderungen an Bodenbeläge in Eingangsbereichen.
Für Schmutzfangmatten sind zwei Punkte entscheidend: die Gesamthöhe und die Kantengestaltung. Matten mit einer Höhe von maximal 10 mm gelten als rollstuhlgeeignet, sofern die Kanten abgeschrägt oder gefedert sind. Eine 9-mm-Matte mit abgeschrägten Kanten kann von Rollstühlen und Rollatoren problemlos überfahren werden, ohne dass ein Verkanten oder Stolpern droht.
Gleichzeitig muss die Oberfläche rutschhemmend sein – sowohl für Fußgänger als auch für Rollstuhlräder. Eine rutschfeste Vinyl-Rückseite verhindert, dass die Matte auf glatten Böden verrutscht, was sowohl für gehende Personen als auch für Rollstuhlfahrer ein Sicherheitsrisiko darstellen würde.
Kaufen oder mieten? Eine ehrliche Kostenrechnung
Viele Unternehmen kennen das Mietmodell: Ein Dienstleister liefert Schmutzfangmatten, tauscht sie regelmäßig gegen frische aus und übernimmt die Reinigung. Das klingt bequem – ist aber langfristig die deutlich teurere Option.
Eine Beispielrechnung verdeutlicht das: Der Mietpreis für eine gewerbliche Schmutzfangmatte in der Größe 90×150 cm liegt je nach Anbieter bei 15 bis 25 € pro Monat inklusive Wäscheservice. Pro Jahr sind das 180 bis 300 € – für eine einzige Matte.
Der Kaufpreis für eine hochwertige 90×150-cm-Gewerbe-Schmutzfangmatte mit Brandschutzklasse Bfl-S1 und Gebrauchsklasse 32 liegt bei rund 93 € (Einzelpreis). Bei einer Mengenstaffel ab 10 Stück sinkt der Preis auf etwa 84 € pro Stück. Die Matte amortisiert sich also bereits nach vier bis sechs Monaten – und hält bei ordnungsgemäßer Pflege fünf bis acht Jahre.
Über einen Zeitraum von fünf Jahren kostet die Miet-Matte zwischen 900 und 1.500 €. Die gekaufte Matte kostet 84 € plus gelegentliche Reinigungskosten. Die Ersparnis liegt bei Faktor 8 bis 15 – und multipliziert sich mit jeder weiteren Matte im Gebäude.
Die einzige Situation, in der Mieten wirtschaftlich sinnvoll sein kann: Temporäre Standorte (Messeaufbauten, Pop-up-Stores) mit einer Nutzungsdauer unter sechs Monaten.
Praxis-Checkliste: Worauf Einkäufer beim Bestellen achten sollten
Aus unserer Erfahrung aus über 30 Jahren in der Herstellung gewerblicher Schmutzfangmatten in den Niederlanden haben wir die wichtigsten Punkte zusammengestellt:
1. Brandschutzklasse prüfen. Fordern Sie ein Prüfzertifikat nach EN 13501-1 an. „Feuerhemmend" oder „schwer entflammbar" ohne Nennung der Klasse (Bfl-S1, Cfl-S1) ist nicht ausreichend.
2. Gebrauchsklasse kontrollieren. Für gewerbliche Eingangsbereiche muss mindestens Klasse 32 nach EN ISO 10874 ausgewiesen sein.
3. Flächengewicht vergleichen. Je höher das Flächengewicht (in g/m²), desto mehr Schmutz und Feuchtigkeit nimmt die Matte auf. Für gewerbliche Nutzung empfehlen wir mindestens 3.000 g/m².
4. Rollstuhleignung sicherstellen. In öffentlich zugänglichen Bereichen ist Barrierefreiheit Pflicht. Achten Sie auf eine Gesamthöhe von maximal 10 mm und abgeschrägte Kanten.
5. Rutschfestigkeit der Unterseite. Eine rutschfeste Vinyl- oder Gummirückseite verhindert gefährliches Verrutschen auf glatten Böden.
6. Größe nach der Drei-Schritte-Regel wählen. Mindestens 80×120 cm, besser 90×150 cm oder größer.
7. Mengenstaffel nutzen. Die meisten Anbieter – auch wir bei Entrando – bieten ab 5 Stück Mengenrabatt. Bei uns sind es 5 % ab 5 Stk., bis zu 20 % ab 50 Stk. – automatisch im Warenkorb, ohne Angebot anfordern zu müssen.
8. Herkunft und Erfahrung des Herstellers. Made in Europe ist ein Qualitätsindikator. Hersteller mit jahrzehntelanger Erfahrung kennen die Anforderungen gewerblicher Kunden – und produzieren entsprechend.
Entrando BRILLO und ENTRO: Zwei Matten für alle gewerblichen Anforderungen
Bei Entrando konzentrieren wir uns bewusst auf zwei Modelle, die jeweils ein klares Anforderungsprofil abdecken:
Die BRILLO ist die Wahl für maximalen Brandschutz und höchste Strapazierfähigkeit. Mit Brandschutzklasse Bfl-S1 (höchste Stufe für textile Bodenbeläge), 3.650 g/m² Flächengewicht und 100 % Polyamid in getufter Ausführung erfüllt sie die strengsten Anforderungen – von Krankenhäusern über Schulen bis zu Versammlungsstätten. Fünf Größen von 40×60 bis 120×180 cm, ab 27,90 €.
Die ENTRO verbindet gewerbliche Leistung mit Nachhaltigkeit. Hergestellt aus 100 % recyceltem Nylon – gewonnen aus Fischernetzen und Industrieabfällen – bietet sie Brandschutzklasse Cfl-S1, 3.400 g/m² Flächengewicht und eine rutschfeste Vinyl-Rückseite. Ideal für Büros und Unternehmen mit CSR-Fokus. Vier Größen von 40×60 bis 135×200 cm, ab 34,90 €.
Beide Modelle sind rollstuhlgeeignet, für Gebrauchsklasse 32 zertifiziert und werden in den Niederlanden hergestellt. Zur Gewerbe-Kollektion mit Mengenrabatt.
Dieser Artikel wird regelmäßig aktualisiert und basiert auf den aktuellen europäischen Normen EN 13501-1 und EN ISO 10874.

