Hunde beibringen, die Pfoten auf der Schmutzfangmatte sauber zu machen: Schritt-für-Schritt-Training für einen sauberen Eingangsbereich - Entrando

Hunde beibringen, die Pfoten auf der Schmutzfangmatte sauber zu machen: Schritt-für-Schritt-Training für einen sauberen Eingangsbereich

Matschige Pfoten sind der Klassiker: Ein kurzer Spaziergang im Regen – und schon ziehen sich nasse Abdrücke durch Flur, Teppich und Treppe. Viele Hundehalter lösen das Problem „nachgelagert“ (Handtuch, Badewanne, Wischen). Eleganter ist es, den Ablauf direkt am Eingang zu trainieren: Hund kommt rein, geht automatisch auf die Schmutzfangmatte, und „arbeitet“ seine Pfoten daran ab – ähnlich wie wir Menschen uns an der Fußmatte die Schuhe abtreten.

Die gute Nachricht: Dieses Verhalten ist trainierbar, wenn man es als Kombination aus Gewohnheit, klaren Signalenund positiver Verstärkung aufbaut. Moderne Trainingsstandards empfehlen dabei ausdrücklich belohnungsbasierte Methoden (Reward-based Training), weil sie lerneffizienter und tierschutzgerechter sind als aversive oder strafbasierte Ansätze.

Im Folgenden bekommst du eine praxistaugliche Anleitung, die wirklich alltagstauglich ist – inklusive typischer Stolpersteine und Lösungen.


Warum klappt das „Pfoten sauber machen“ nicht automatisch?

Hunde haben keinen angeborenen Grund, sich am Eingang die Pfoten zu reinigen. Für sie ist der Eingang meist vor allem:

  • Aufregung (endlich rein / endlich raus)

  • Ritual (Leine ab, Begrüßung, Futter, Sofa)

  • Belohnungserwartung (Menschen reagieren immer)

Das heißt: Wenn du möchtest, dass dein Hund auf der Matte verweilt und seine Pfoten bewegt, musst du ihm zeigen, dass genau dieses Verhalten lohnt – und zwar zuverlässig, kurz und klar.


Welche Schmutzfangmatte eignet sich fürs Training wirklich?

Damit dein Hund überhaupt „Feedback“ bekommt, muss die Matte passend sein. Achte auf drei Punkte:

1) Rutschfestigkeit ist Pflicht

Wenn die Matte unter dem Hund wegrutscht, wird das Training zäh (und kann unsicher werden). Idealerweise: rutschhemmende Unterseite oder zusätzliche Anti-Rutsch-Unterlage.

2) „Pfotenfreundliche“ Oberfläche

Zu grob kann unangenehm sein, zu glatt bringt wenig Reinigungswirkung. Fürs Training bewähren sich Matten mit kurzem, dichtem Flor oder spezielle Schmutzfangfasern, die Feuchtigkeit und Dreck gut aufnehmen.

3) Genug Fläche

Viele Standard-Fußmatten sind zu klein. Für den Trainingsstart gilt: lieber größer, damit der Hund zuverlässig mit allen Pfoten draufsteht. Später kann man das Verhalten auf kleinere Matten generalisieren.


Der Trainingsansatz: Von „Matte lohnt sich“ zu „Pfoten wischen“

Es gibt zwei Wege – beide funktionieren. Du kannst sie kombinieren:

  1. Matten-Target: Hund lernt „Geh auf die Matte“ und bleibt dort kurz.

  2. Pfotenbewegung: Hund lernt, auf der Matte aktiv Pfoten zu bewegen (scharren, treten, wischen).

Der Trick ist, das Verhalten in Mini-Schritte zu zerlegen und jeden Schritt zu belohnen (Shaping).

Belohnungsbasiertes Training ist dafür ideal: Du verstärkst exakt das, was du später im Alltag sehen willst – ohne Stress oder Druck.


Schritt 1: „Matte = Jackpot“ (ohne Haustür, ohne Leine, ohne Stress)

Bevor du das Ganze am Eingang trainierst, machst du es drinnen leicht.

So geht’s

  1. Lege die Schmutzfangmatte in ein ruhiges Zimmer.

  2. Jedes freiwillige Drauftreten wird sofort belohnt (Leckerli auf die Matte werfen).

  3. Warte auf mehr: erst eine Pfote, dann zwei, dann alle vier.

  4. Sobald der Hund zuverlässig draufgeht: gib ein Signal wie „Matte“ oder „Platz da“ – aber erst wenn das Verhalten schon oft passiert ist.

Ziel: Dein Hund soll die Matte aktiv aufsuchen, weil dort Belohnung passiert.

Tipp: Kleine, hochwertige Leckerli nutzen – kurz, schnell, effektiv.


Schritt 2: Verweilen trainieren (2–5 Sekunden reichen am Anfang)

Damit später Pfotenbewegung entsteht, muss der Hund kurz auf der Matte bleiben.

Mini-Plan

  • Hund steht auf der Matte → Belohnung

  • 1 Sekunde warten → Belohnung

  • 2 Sekunden warten → Belohnung

  • langsam steigern, aber nicht „zäh“ werden lassen

Wenn dein Hund sofort wieder runterläuft: Du warst zu schnell. Mach’s leichter.


Schritt 3: Pfotenbewegung auslösen – drei bewährte Methoden

Jetzt wird’s spannend: „Pfoten sauber machen“ ist nichts anderes als wiederholte Pfotenbewegung auf einer absorbierenden Oberfläche.

Methode A: „Leckerli-Scatter“ (super für Einsteiger)

Streue 3–6 Mini-Leckerli direkt auf die Matte, sodass der Hund sie „aufsammelt“. Dabei tritt er automatisch mehrfach um – und genau das verstärkst du.

  • Hund betritt Matte → Scatter → Hund bewegt Pfoten → ruhiges Lob

Vorteil: Sehr leicht, kaum Frust.
Nachteil: Der Hund „wühlt“ vielleicht etwas. Das ist ok – es ist Training.


Methode B: „Pfote geben“ als Baustein (kontrollierter)

Viele Hunde kennen „Pfote“. Du kannst daraus ein „Pfoten-Reset“ machen:

  1. Hund steht auf Matte

  2. Signal „Pfote“ → belohnen

  3. andere Pfote → belohnen

  4. wiederholen, dann auflösen („Okay“)

Das wirkt weniger wie „Wischen“, aber es bringt Schmutz von den Ballen auf die Matte – und ist im Alltag sehr sauber steuerbar.

Wenn dein Hund „Pfote“ noch nicht kann: Positive Schrittfolgen wie bei klassischen „Pfote“-Anleitungen sind gut dokumentiert (ruhige Umgebung, kleine Schritte, belohnen).


Methode C: „Scharren“ gezielt verstärken (für Hunde, die es ohnehin tun)

Manche Hunde scharren nach dem Fressen oder nach dem Reinkommen. Wenn dein Hund das von selbst zeigt: Jackpot – du brauchst nur Timing.

  • Scharren auf Matte → sofort belohnen

  • Scharren daneben → ignorieren, freundlich zurück zur Matte führen (ohne Druck)

  • Nach einigen Wiederholungen ein Signal hinzufügen: „Wisch“ oder „Sauber“

Wichtig: Nicht alle Hunde mögen dieses „Scharrgefühl“. Zwinge nichts.


Schritt 4: Der Tür-Transfer (vom Wohnzimmer an den Eingang)

Jetzt wird die Übung an den echten Ort verlegt. Und hier passieren die meisten Fehler: zu viel Ablenkung, zu schnell, zu selten.

Die Transfer-Regel

Erst Verhalten stabil – dann Kontext schwieriger.

So baust du den Transfer sauber auf:

  1. Matte in Sichtweite der Tür (drinnen).

  2. Übung 2–3 Tage dort wiederholen.

  3. Matte direkt an den Eingang.

  4. Übung zuerst ohne „Spaziergangs-Aufregung“: einfach nur Tür auf, Hund kommt von innen zur Matte.

  5. Erst dann nach kurzen Spaziergängen.


Schritt 5: Alltagstaugliche Routine (die wirklich funktioniert)

Das Ziel ist ein Mini-Ritual, das in 5–10 Sekunden erledigt ist:

  1. Hund kommt rein

  2. Signal: „Matte“

  3. 1–2 Sekunden stehen

  4. Pfotenbewegung (Scatter oder „Pfote“/„Wisch“)

  5. Auflösen + weitergehen

Wenn du es richtig aufbaust, wird die Matte zur Eingangs-Autobahn: Hund erwartet dort „das Gute“ und bleibt automatisch kurz stehen.

Belohnungsbasierte Routinen stärken nebenbei die Kooperation und reduzieren Stress im Training – ein Punkt, den Tierschutzorganisationen und Verhaltensverbände immer wieder betonen.


Häufige Probleme – und wie du sie löst

„Mein Hund rennt an der Matte vorbei.“

  • Matte ist zu klein → größer starten

  • Belohnung kommt zu spät → Timing verbessern

  • Umfeld zu aufregend → erst drinnen stabilisieren

„Er beißt in die Matte oder wühlt wie verrückt.“

  • Scatter-Leckerli reduzieren (2–3 Stück)

  • ruhiger belohnen (Leckerli nach unten, kein „Party-Lob“)

  • Alternative: „Pfote“-Methode nutzen

„Er mag die Matte nicht.“

  • Oberfläche unangenehm (zu kratzig/zu hart) → andere Struktur testen

  • positive Verknüpfung fehlt → Schritt 1 länger machen

„Bei Regen klappt gar nichts.“

Regen ist Hoch-Ablenkung + hohe Motivation ins Warme zu kommen. Lösung:

  • nach Spaziergang 1–2 Minuten im Flur „runterfahren“ lassen

  • dann erst Matte-Routine

  • Belohnung aufwerten (besseres Futter)


Hygiene & Sicherheit: Was du vermeiden solltest

  • Keine Strafe fürs Vorbeirennen oder Dreck: Das erhöht Stress und macht den Eingang negativ.

  • Vorsicht mit Tools, die über Schmerz/Schreck arbeiten. Veterinär-verhaltensmedizinische Positionen warnen vor möglichen Nebenwirkungen von Strafe und aversiven Methoden (u. a. Angst, Stress, Aggressionsrisiko).

  • Matten regelmäßig reinigen, damit sie nicht „voll“ sind – sonst verliert sie Reinigungsleistung und kann unangenehm riechen.


FAQ: Pfoten sauber machen am Eingang – die wichtigsten Fragen

Wie lange dauert es, bis ein Hund das zuverlässig kann?

Bei täglichem Kurztraining (1–2 Minuten) schaffen viele Hunde eine stabile Grundroutine in 1–2 Wochen. Der Tür-Transfer kann weitere 1–2 Wochen brauchen – je nach Temperament und Ablenkung.

Funktioniert das auch bei Welpen?

Ja – sogar oft besonders gut, weil Welpen Rituale schnell übernehmen. Wichtig: sehr kurze Einheiten, sehr leichte Schritte.

Was ist besser: „Pfote geben“ oder „Scharren“?

Für kontrollierte Sauberkeit ist „Pfote geben“ auf der Matte oft die beste Alltagslösung. „Scharren“ kann sehr effektiv sein, ist aber nicht bei jedem Hund beliebt (und manchmal zu wild).

Mein Hund hat Angst im Flur – kann ich trotzdem trainieren?

Dann zuerst das Umfeld positiv machen (Ruhe, Abstand, sichere Zone). Training funktioniert nur, wenn der Hund emotional „aufnahmefähig“ ist. Reward-based Training setzt genau darauf: Lernen in einer angenehmen, kooperativen Stimmung.


Fazit: Saubere Pfoten sind kein Zufall, sondern ein Ritual

Hunde lernen „Pfoten sauber machen“ nicht durch Ermahnungen, sondern durch klare Abläufe und lohnende Wiederholung. Wenn du das Verhalten als kleine Kette aufbaust – Matte aufsuchen, kurz bleiben, Pfoten bewegen – wird daraus ein Automatismus, der Flur, Teppiche und Treppen sichtbar schont. Der Schlüssel ist: erst leicht starten, dann an die Tür verlagern, dann Alltag.

Quellen:

Quellen (mit Links)

  1. American Veterinary Society of Animal Behavior (AVSAB)Humane Dog Training Position Statement (PDF)
    https://avsab.org/wp-content/uploads/2021/08/AVSAB-Humane-Dog-Training-Position-Statement-2021.pdf

  2. AVSABWhat are Reward-Based Training Methods for Dogs and Cats?
    https://avsab.org/what-are-reward-based-training-methods-for-dogs-and-cats/

  3. RSPCA (UK)How to train your dog (Reward-based training)
    https://www.rspca.org.uk/adviceandwelfare/pets/dogs/training

  4. RSPCA (Australia)What you need to know about positive dog training
    https://www.rspca.org.au/latest-news/blog/what-you-need-to-know-about-positive-dog-training/

  5. RSPCA Pet Insurance (AU)Positive reinforcement training (Erklärung & Prinzip)
    https://www.rspcapetinsurance.org.au/pet-care/responsible-pet-ownership/positive-reinforcement-training

  6. PDSA (UK)How to teach your dog “paw” (Pfote geben)
    https://www.pdsa.org.uk/what-we-do/blog/how-to-teach-your-dog-paw

  7. San Francisco SPCADog: Training Philosophy (PDF; warum Strafe problematisch sein kann)
    https://www.sfspca.org/wp-content/uploads/2023/02/dog-training-philosophy.pdf

  8. AVMA (American Veterinary Medical Association)Veterinary behaviorists: no role for aversive dog training practices
    https://www.avma.org/javma-news/2021-11-01/veterinary-behaviorists-no-role-aversive-dog-training-practices